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Das Unglückshuhn

Rasantes Puppenspiel von Eva Kaufmann nach Hans Fallada Für Menschen ab 5

Regie Eva Kaufmann
Bühne und Kostüme Matthias Hänsel
Spieler Uta Krieg | Helmut Parthier
07.02.12, 10.00Altes Theater/Puppenbühne Karten
08.02.12, 10.00Altes Theater/Puppenbühne Karten
09.02.12, 10.00Altes Theater/Puppenbühne Karten
10.02.12, 10.00Altes Theater/Puppenbühne Karten
12.02.12, 15.00Altes Theater/Puppenbühne Karten
14.02.12, 09.30Altes Theater/Puppenbühne
15.02.12, 09.30Altes Theater/Puppenbühne
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 03.03.2010
Gar kein Unglück: Ein Huhn überlebt die eigene Suppe* Im Puppentheater fliegt Hans Falladas «Unglückshuhn» gegen die menschliche Hackordnung an
Gallus gallus domesticus - Chicken run im Puppenhaus: Wie sie gackern kann, aus vollem Kropf, in allen Gefühlslagen, Uta Krieg, Herr der Hühner, quer gestreifter Zauberer. Und wie er, Helmut Parthier, groß karierter Geselle, majestätisch kleinwüchsig wird, großartig. Gut, er ist ein bisschen tollpatschig, reißt dem armen Zaubersuppen-Huhn Keule und Kopf vom Leib. Aber daran sind Gisela und Erika schuld.
"Das Unglückshuhn" aus dem Stall von Hans Fallada ("Geschichten aus der Murkelei") hatte am Sonntag Premiere im Puppentheater. Eva Kaufmann inszeniert den Geflügelblick auf die menschliche Hackordnung licht und flott, bedachtsam emotional und maßvoll clownesk. Kein Stroh im Stall, keine Kröte in der Hexenküche: Ausstatter Matthias Hänsel spielt zauberhaft unangestrengt mit Grundformen, Grundfarben und einigen grundsätzlichen Raffinessen.
Giselas Gold- und Erikas Silberei werden nicht schlicht zu Boden gelegt, sondern rollen zur Bewunderung über eine Apparatur. Wenn nun das Unglückshuhn sich donnerbalkengleich müht, läuft kein Ei durch den Dotter-Flipper. Grund genug für Erika und Gisela, ihr Mithuhn zu vertreiben. In den miesen Schlachten der Missgunst und durch tollpatschige Kollateralschäden verliert das Unglückshuhn im märchenhaften Dreierschritt Keule, Gefieder und Kopf. Zauberei im Suppentopf ergänzt die Verluste, mittels Gold, Silber und Edelstein, was vollends die Missgunst der Mithühner weckt. Und die Begierde des Hahns bleibt bleiern, bis der Kamm knickt. Zum Glück ist die Prinzessin im anmutigen Schattenriss sterbenskrank. Nun leiht Parthier köstlich einem leeren königlichen Wams mit Füßen auf Bauchhöhe Kopf und Mund für die märchenhafte Ausschreibung: "Wer die Prinzessin heilen wird, der" usw. Das misslingt, obgleich Parthier so schön durch alle Heilmethoden tanzt, bis Adrian ein Süppchen kocht. Das Huhn überlebt die eigene Suppe und die Prinzessin gesundet daran. Die Mithühner würden gern bei Hofe bleiben, dürfen es auch, müssen aber - so geht es aufgebrachten Geringpickern, die in die falsche Richtung hacken - pro Tag zwei Edelmetall-Eier für ihr täglich Korn legen. Das Unglückshuhn ist glücklicher, geht zurück, vom Königs- in den Hühnerhof. Zauberei muss es also richten, auch wenn im Vorspiel der Bau der Tarnkappe so mitreißend misslingt, dass nicht einmal die Mitleids-Lüge unsichtbar bleibt.
Dieses Unglückshuhn ist up to date, weil es in die Hackordnung pickt. Diese besagt bekanntlich, dass im Hühnerhaus ganz oben sitzt, mindestens Vizehuhn wird, wer die schärfsten Schnabelhiebe austeilt, solange kein Bauer die Schlafstangen auf gleicher Höhe anbringt und das Futter breitflächig streut. Aber das hier ist ein Märchen mit edelmetallenen Eiern. Es behauptet gegen die Wirklichkeit so licht, so schlicht und schön, dass man es beinah glaubt: Auch wenn du nicht leisten kannst, was alle leisten wollen, bist du vielleicht ein tolles Huhn.

Wie selbstverständlich legen die Hühner in unserer Geschichte silberne und goldene Eier. Nur eines, das Unglückshuhn, legt gar keine Eier. Nicht mal ein weißes! Nicht verwunderlich, dass dieser Nichtsnutz auf dem Hühnerhof von den fleißigen Eierlegerinnen verachtet wird. Auch der Hahn bringt kein Mitgefühl auf. So ist dieses Huhn ein rechtes Unglückshuhn und zu allem Übel, glaubt es auch daran. Nichts kann gelingen. Auch der Herr der Hühner, der Zauberer Adrian, kann das Unglückshuhn nicht trösten, selbst wenn er ihm erzählt, dass es einmal ganz berühmt werden würde. Doch als die Prinzessin des Reiches sterbenskrank wird, zögert es keinen Moment und rettet sie unter Einsatz seines Lebens vor dem sicheren Tod. Jetzt könnte das Leben schön sein, als preisgekröntes Huhn des königlichen Hofes. Doch unser Unglückshuhn schlägt allen Glanz und alle Ehren aus, um zufrieden zu seinem Herren zurück zu kehren und von Stund an ein Glückshuhn zu sein.
In einem clownesken Spiel zweier Möchtegernzauberer mit König, Prinzessin, vielen Hühnern, dem Hahn und viel Zauberei geht es um die Erkenntnis, auf individuelle Begabungen zu vertrauen. Auch wenn sie Zeit brauchen, um zur Entfaltung zu gelangen!