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Familienkonzert »Kinder-Scratch«

Danny Gitter, Mitteldeutsche Zeitung, 31.10.2011

Steppkes singen, Shakespeare swingt

Es ist der verdiente Schlussapplaus am Ende eines erfolgreichen Tages. Das Brot der kleinen Künstler, dass sich die 284 Jungen und Mädchen aus sieben Dessau-Roßlauer Grundschulen redlich verdient haben. Zuvor haben sie vor vollen Rängen die Bühne des Anhaltischen Theaters mit dem "Shakespeare Swing" von Bernd Wilden erobert. Der Sonnabend im großen Haus des Theaters stand ganz im Zeichen des Kinderscratch.
Was die Erwachsenen schon zweimal vormachten, haben nun auch die Jüngsten für sich entdeckt. Früh zusammenkommen, ein Stück gemeinsam einstudieren und dann abends auf der Bühne präsentieren. Und doch war es bei den kleinen Künstlern ein wenig anders. Bereits einige Wochen zuvor haben die Musiklehrer- und lehrerinnen mit ihren Schützlingen geübt. Stefan Neubert, Korrepetitor des Theaters, schaute dann auch jeweils für eine Stunde bei den beteiligten Grundschulen vorbei. Er erzählte den Interessierten und Neugierigen wie der Tag abläuft, entfachte vielfach Begeisterung. "Ich habe mit der Vorstellungskraft der Kinder gearbeitet. Sie vorbereitet auf die Bühne, zum Beispiel für das Singen darauf, für laut und leise", erläutert Neubert. Denn so eine Theaterbühne ist eine ganz andere Welt als das eigene Klassenzimmer. Das kann der 8-Jährige Leonard aus der "Grundschule am Luisium" nur bestätigen. "Die Bühne ist richtig groß und der Raum soviel größer als unser Klassenraum. Ich glaube, da habe ich abends richtig Lampenfieber", erzählt der Drittklässler nach der Generalprobe.
Die Generalprobe gegen Mittag war das erste Zusammentreffen aller 284 Jungen und Mädchen auf der großen Bühne. Aufgeteilt in drei große Gruppen warteten die Steppkes mit lauter Kakophonie ungeduldig auf ihren Einlass zur Probe. Spannung und Aufregung lagen in der Luft. Paula, Zweitklässlerin aus der Grundschule in Meinsdorf konnte es kaum erwarten. "Ich freue mich wahnsinnig auf den Auftritt. Ich singe sehr gerne und das erste Mal vor so einer Kulisse", erzählte die 7-Jährige, kurz bevor sich die Vorhänge beiseite schoben und der Weg zur Bühne frei war. Dort warteten schon die Anhaltische Philharmonie, vier begleitende Musiker des Liborius-Gymnasiums, eine Percussion-Gruppe der evangelischen Grundschule, Generalmusikdirektor Antony Hermus, der 1. Kapellmeister Daniel Karlberg und Studioleiter Wolfgang Kluge an ihren Dirigentenpulten.
Der "bunten Truppe" von 284 Teilnehmern mit ihren verschiedenen T-Shirts unter anderem in blau, weiß und orange galt es nun innerhalb einer Stunde eine wohlklingende Klangfarbe zu verpassen. Ganz instinktiv entschied sich Antony Hermus für das Dirigieren, derer, wo ganz viel orange dabei war. Es ist schließlich die identitätsstiftende Farbe des aus den Niederlanden stammenden Generalmusikdirektors. Eine Stunde wurde geübt und probiert. Passt der Ton? Ist die Harmonie zwischen Orchester und Sängern gegeben? Sind die Sangeskünstler untereinander in ihrer Darbietung harmonisch? Strophe für Strophe arbeiteten sie sich voran. Ganz gemäß der Philosophie des Scratch, sind die Zuschauer am Aufbau des Stückes beteiligt. Stellen sich musikalisch die Anhaltische Philharmonie und die vier begleitenden Musiker des Liborius-Gymnasiums vor. Die Percussion-Gruppe der evangelischen Grundschule zeigt ihr Können. Zwei Solisten aus dem Kinderchor des Theaters bieten ein imaginäres Handygespräch mit Shakespeare dar. Dann ist die Bühne voll mit den 284 Sängern und Sängerinnen, die im Kanon und in Variationen ihren musikalischen Teil zu einem gelungenen Abend beitragen. Der Generalmusikdirektor Hermus betont allerdings. "Das Anliegen von Scratch ist nicht das perfekte Konzert. Nicht der Weg ist das Ziel, sondern das Ziel ist der Weg dahin." Auf diesem begleiten die Zuschauer die Bühnenkünstler zum 20 minütigen Finale, wo der "Shakespeare-Swing" dann komplett durchgespielt wird. "Spielt Musik, wenn Musik der Nahrung Liebe ist", singen sie immer wieder. "Worte, die so schön sind, man muss sie einfach lieben", stellen die Solisten fest. Nach einer Stunde ist es geschafft. Die Spannung auf der Bühne löst sich sichtlich. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine gelungene Premiere. Theaterpädagogin Imme Heiligendorff setzt auf den Langzeiteffekt. "Jetzt sehen die Kinder, wie es auf der Bühne funktioniert. Das steigert vielleicht ihre Wertschätzung für die künstlerische Arbeit."

Was die Großen können, das können die Kleinen schon lange! Warum sollen nicht auch mal Kinder sich an einem Tag im Theater treffen, ein Musikstück gemeinsam einstudieren und es abends auf der großen Bühne zusammen mit der Anhaltischen Philharmonie ihren Eltern, Verwandten und Gästen präsentieren? Das Kinderscratch-Konzert am 29. Oktober um 18 Uhr wird den Beweis antreten, dass das möglich ist. Anders als bei den Großen bereiten sich nahezu 300 Kinder aus Dessau-Roßlaus Grundschulen jedoch schon seit einigen Wochen mit Unterstützung ihrer Musiklehrer und Theaterkorrepetitor Stefan Neubert auf dieses Konzert vor. Mit viel Neugier und Mut machen sie sich am 29.10. schließlich ins Theater auf, den dafür eigens komponierten „Shakespeare-Swing“ von Bernd Wilden aufzuführen. Unter der musikalischen Gesamtleitung von GMD Antony Hermus wird der Tag des Konzerts ein spannendes, einmaliges Erlebnis voller Rhythmus, Geraune, Spaß, Improvisation und klangvoller Musik werden. „Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist ...“, heißt es bei Shakespeare. Spielen wir also weiter fort und fort!