Frühling in Wien

Sonderkonzert mit bekannten Werken Wiener Komponisten

06.06.10, 17.00Großes Haus
Franz Werfel, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 27.04.2010
Frühlingsgefühle im Dreivierteltakt
Mit einem Wunschkonzert begrüßt das Orchester vor ausverkauftem Haus die wärmeren Jahreszeiten.
Die Bühne des Anhaltischen Theaters Dessau holzgetäfelt und mit grünenden Topfpflanzen drapiert, dazu im Hintergrund eine große Leinwand, die im Laufe des Konzertabends die Topfpflanzen in freier Wildbahn zeigte und damit Hörbares sichtbar machen wollte – spätestens bei dieser Kulisse dürften sich am frühen Sonntagabend beim dankbaren Publikum längst überfällige Frühlingsgefühle eingestellt haben. Es war das erste Wunschkonzert in der 243 Jahre umfassenden Orchesterhistorie, wie Ronald Müller, Musikdramaturg des Hauses und Moderator des Abends, erläuterte. Daran beteiligten sich 252 Interessierte und votierten im Vorfeld per Karte oder im Internet für verschiedene Orchesterwerke großer Wiener Komponisten. Dessaus Erster Kapellmeister Daniel Carlberg dirigierte die Philharmoniker von Beginn an konzentriert und erfrischend – teilweise vom Cembalo aus. Die Ouvertüre zu Mozarts „Entführung aus dem Serail“ eröffnete den bunten Konzertabend. Nach drei Tänzen aus der Feder des gebürtigen Salzburgers bildete die Ouvertüre zur „Hochzeit des Figaro“ den Abschluss des Mozart-Potpourris. Die Tamino-Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ intonierte Ensemblemitglied Angus Wood spontan, nachdem die angekündigte Solistin des Abends, Sopranistin Cornelia Marschall, kurzfristig erkrankt war. Da Wood noch am Abend zuvor in der Opernpremiere der „Stummen von Portici“ brilliert hatte, verzieh man ihm gern seine Schwierigkeit im Ansatz des zweiten Arienteiles. Umso glanzvoller gelang ihm nach der Pause „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Franz Lehárs Operette „Das Land des Lächelns“. Vor frühlingsbeblühten Bergwiesen interpretierten die Dessauer Musiker anschließend präzise forsch den 1. Satz aus Franz Schuberts 5. Sinfonie in B-Dur, womit der Streifzug durch den Wiener Musikwald fortgesetzt wurde. Ebenso als Ersatz für Cornelia Marschall konnte die Berliner Sopranistin Johanna Krumin noch wenige Stunden vor dem Konzert verpflichtet werden. Beeindruckend, wie sie mit ihrer starken Stimme Schuberts „Der Hirt auf dem Felsen“ im perfekten Duett mit dem Soloklarinettisten Reinhard Gutte intonierte, auch wenn der Text des Dessauer Lyrikers Wilhelm Müller bei deutlicherer Artikulation gerade an diesem Ort gern verstanden worden wäre. Krumin sang dagegen die Arie „Draußen in Sievering“ aus Strauss’ Operette „Die Tänzerin Fanny Elßler“ wunderbar. Als Glücksfee loste die Berlinerin zudem drei Besucher aus, die sich an der Abstimmung beteiligt hatten, und beschenkte diese mit Freikarten. Ferner begeisterten unter anderem ein hervorragendes, auswendig gehaltenes Dirigat der Ouvertüre zur „Fledermaus“ (dem Publikum wurde dabei unter Begeisterungsrufen eine Neuinszenierung der beliebten Strauss’schen Operette im Dezember dieses Jahres versprochen) und der mittlerweile zum Schlager avancierte Marsch „Wien bleibt Wien“ Johann Schrammeis. Dem fulminanten Abschluss (Strauss’ obligatorischer „Kaiser-Walzer“) folgten ein langer, enthusiastischer Applaus sowie zwei Zugaben. „Eigentlich wollten wir uns den Radetzky-Marsch heute schenken“, schmunzelte ein zufriedener Ronald Müller nach dem dreistündigen Konzert. Doch das Publikum klatschte beharrlich weiter, bis der beliebte Rausschmeißer des Johann Strauss Vaters schlussendlich doch noch gespielt wurde. Das Konzert wird zum Tag der offenen Tür am 6. Juni um 17 Uhr mit Sängerin Cornelia Marschall wiederholt.

Am 25.4.2010 lud das Anhaltische Theater zu einem Konzert „Frühling in Wien“ ein. Das Besondere daran: Es war ein Wunschkonzert, denn das Publikum konnte das Programm (teilweise) mitbestimmen.

Da dieses Wunschkonzert ausverkauft war, wird es am 6. Juni im Rahmen des Tages der offenen Tür in ähnlicher Form wiederholt. Unter der Leitung von Daniel Carlberg und mit Cornelia Marschall als Solistin erklingen dann noch einmal beliebte Melodien von Mozart, Schubert, Johann und Josef Strauß, Franz Lehár u.a. Bei diesem Konzert soll auch der Gewinner des Dirigenten-Castings, das am Tag der offenen Tür stattfindet, mit einem Dirigat einbezogen werden.

Ausführende:
Anhaltische Philharmonie Dessau
Dirigent: Daniel Carlberg
Solistin: Cornelia Marschall, Sopran
Moderation: Ronald Müller

Folgende Programmpunkte stehen bereits fest:
Wolfgang Amadeus Mozart: „Schon lacht der holde Frühling“, Arie für Sopran und Orchester KV 580
Franz Schubert: „Der Hirt auf dem Felsen“ für Sopran, Klarinette und Orchester (instrumentiert von Jürgen Hinz), Sinfonie Nr. 5 B-Dur, 1. Satz
Johann Strauß-Sohn: Ouvertüre zur Operette „Die Fledermaus“; „Frühlingsstimmen“, Walzer; „Im Krapfenwaldl“ Polka francaise; „Draußen in Sievering“ (aus der Operette „Die Tänzerin Fanny Elßler“)
Leo Fall: „Du mein Schönbrunn“ (aus der Operette „Die Kaiserin“)

und „2 x 5 aus 10“

Aus den folgenden Titeln konnten Sie auswählen, fünf aus dem ersten Teil (Mozart, Schubert) und fünf aus dem zweiten (Strauß u.a.).

1. Teil

Wolfgang Amadeus Mozart
Ouvertüre zur Oper „Die Entführung aus dem Serail“
Ouvertüre zur Oper „Die Hochzeit des Figaro“
Ouvertüre zur Oper „Così fan tutte“
Deutsche Tänze (Auswahl)
Kontretänze (Auswahl)

Franz Schubert
Ballettmusik aus „Rosamunde“
Zwischenaktmusik aus „Rosamunde“
Walzer op. 33 (instrumentiert von Paul Hoffmann)
Moment musical f-Moll (instrumentiert von Leopold Weninger)
Militärmarsch (instrumentiert von Leopold Weninger)

2. Teil

Johann Strauß-Sohn
„O schöner Mai“, Walzer
„Rosen aus dem Süden“, Walzer
„Kaiser-Walzer“
„Unter Donner und Blitz“, Polka schnell
„Pizzicato-Polka“
„Etwas Kleines“, Polka francaise

Josef Strauß
„Dorfschwalben aus Österreich“, Walzer
„Arm in Arm“, Polka mazur

Johann Schrammel
„Wien bleibt Wien“, Marsch

Franz Lehár
„Nechledil-Marsch“