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Serata di Gala - Die italienische Opern-Gala

24.05.10, 17.00Großes Haus
Triumphzug des Belcanto Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 03.11.2009

von Ute van der Sanden

Neue und alte Sängerinnen und Sänger des Anhaltischen Theaters übertrumpfen sich in «Serata di Gala»

Beide Konzertmeister der Anhaltischen Philharmonie lächelten beim Betreten der Bühne ins Publikum. Man müsste den Satz glatt noch einmal hinschreiben, so außerordentlich erschien, was sich am Freitag im Theater zutrug. Dabei wurden die frohen Gesichter von Myra van Campen-Bálint und ihrem Stellvertreter Martin Schulze, so imposant sie zunächst wirken mochten, mehr und mehr zur Marginalie. Knapp 900 Menschen erlebten im beinahe ausverkauften Großen Saal die Premiere der "Serata di Gala". Sie genossen eine Vorstellung der romantisch-dramatischen Oper, die italienischer geriet, als man zu hoffen gewagt hatte, und die somit die meisten Erwartungen übertroffen haben dürfte.

Nicht, dass man das Dessauer Publikum mit einem Gefälligkeitsprogramm aus Bravourarien und Ohrwürmern geködert hätte. Neben Ausschnitten aus Verdis "Traviata" und "Don Carlo", aus Puccinis "Manon Lescaut" und "La Bohéme" erklangen Raritäten, etwa aus Leoncavallos "Zazà". Gewiss gilt die italienische Oper den Sängern als willkommene Herausforderung. Sie zeigen, was sie drauf haben, und das Publikum liebt sie dafür. Hier kam es noch besser, denn zunehmend war den Solisten ihr Auftreten mehr Vergnügen als Dienst.

Con fuoco ließ Generalmusikdirektor Antony Hermus schon Verdis "Sizilianische Vesper" von der Bühne zischen. Was nach der Ouvertüre geschah, sprach für sich. Ulf Paulsen sang mit wie durch ein Wunder erholter Stimme aus "Andrea Chenier", bekam Bravos und lief lachend in die Gasse. Cornelia Marschall brillierte in Mascagnis "Lodoletta" mit lupenreinen Sprüngen und gab eine herrlich vitale Musette in "La Bohéme", auch sie klang ausgeruht. Als Iordanka Derilova in tomatenroter Robe gen Rampe wehte, ging ein Raunen durch Publikum und Orchester. Sie sang mit Andrew Sritheran aus "Tosca", dass einem das Herz aufgehen wollte, und ihre "Turandot" war die reinste Raserei. Kostadin Arguirov gestaltete den Auftritt des besorgten Germont mit stimmlicher und szenischer Kraft. Ob sie alle sich und ihre Stimmen neu gefunden haben? Oder wieder?

Die kürzlich engagierten Solisten taten das Ihrige. Angelina Ruzzafante begeisterte mit strahlender oberer Lage und exzellenten Koloraturen. Das Finale des ersten "Traviata"-Akts krönte sie mit dem hohen Es aller wahrhaften Primadonnen. Bassist Pavel Shmulevich ist, wie seine "Don Carlo"-Arie "Ella gaimmai m'amo" zeigte, ein Filippo, wie er im Buche steht. Andrew Sritheran und Wiard Witholt, der neue lyrische Bariton mit ungewöhnlich weichem Timbre, begegneten sich im vierten Akt der "Bohème" auf erfrischende Weise "in un coupé". Schließlich das "Libiamo" aus der "Traviata" zum Mitklatschen und Mitsingen - da war's für alle ein großer Spaß. Antony Hermus atmete mit den Sängern und verführte seine Musiker mit liebenswertem Enthusiasmus zu rasantem, federndem oder kantablem Spiel. Nicht unerwähnt dürfen die Glanzvorstellungen des Solocellisten Matthias Wilde im "Manon"-Vorspiel und in der Arienbegleitung zu "Don Carlo" bleiben.

Heribert Germeshausen, neu am Haus als leitender Musikdramaturg, kam ebenfalls auf den Punkt. Er sprach über Libretti, Orchestrierung und Personalstile - kurz und bündig, ernsthaft und kundig. Seine Moderation trug er auswendig vor, nur ein Bellini-Zitat las er ab: "Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen". In diesem Sinn ist das Ensemble des Anhaltischen Theaters vor sein Publikum getreten. Mit Superlativen soll man bekanntlich vorsichtig sein, hier sind sie angemessen: Ein Wettstreit der Sänger, ein Fest der Stimmen, ein Triumphzug des Belcanto, in und für Dessau - bravissimo!

PROGRAMM
Giuseppe Verdi: Ouvertüre „Die Sizilianische Vesper“
Umberto Giordano: “Nemico della Patria” aus “Andrea Chenier” Ulf Paulsen
Pietro Mascagni: „Ah! Il suo nome...Flamen, perdonami aus „Lodoletta“ Cornelia Marschall
Vincenzo Bellini: „Ah, per sempre io ti perdei“ aus „I puritani“ Wiard Witholt
Giacomo Puccini: „Mario! Mario! Mario!… Son qui“ aus „Tosca“ KS Iordanka Derilova, Andrew Sritheran
Giacomo Puccini: Zwischenspiel aus „Manon Lescaut„
Giuseppe Verdi: „Di Provenza il Mar, il Suol“ aus „La Traviata“ Kostadin Arguirov
Giacomo Puccini: „Nessun dorma“ Andrew Sritheran
:: PAUSE ::
Giacomo Puccini: Hexentanz aus „Le Villi“
Gaetano Donizetti: „Bella siccome un angelo“ aus „Don Pasquale“ Kostadin Arguirov
Giacomo Puccini: „Quando m’en vo“ aus „La Bohème“ Cornelia Marschall
Giacomo Puccini: „In un coupé? - Con pariglia e livree – O Mimì tu più non torni“ aus „La Bohème“ Angus Wood, Wiard Witholt
Giuseppe Verdi: “Perfidi! All’Anglo… Pietà, rispetto, amore” aus “Macbeth” Ulf Paulsen
Giacomo Puccini: “Senza mamma” aus “Suor Angelica” Angelina Ruzzafante
Giuseppe Verdi: “Ella giammai m'amo” aus “Don Carlo” Pavel Shmulevich
Giacomo Puccini: „In questa reggia“ aus „Turandot „ KS Iordanka Derilova