Trash am Montag
Cineastische Leckerbissen mit Pit Rutten & Serge Pocken
Getreu der Devise, dass ein Film nur dann sehenswert ist, wenn er stetig knapp am Abgrund des Scheiterns
entlangschlittert, und noch sehenswerter, wenn er mit hohem Tempo in ebendiesen Abgrund hineinrauscht,
werden auch in dieser Spielzeit wahre Perlen internationalen Filmschaffens vom bewährten Team
Rutten und Pocken vor die Säue, sprich: die Zuschauerschaft, geworfen.
Trash am Montag ist eine Kooperation des Anhaltischen Theaters Dessau mit dem Kiez-Kino und
LEO – Das Anhalt Magazin.
[Episode XIX]: “2nd annual Zombie-Spezial”

Am 14. Mai um 20.30 Uhr laden die Theaterkritiker Rutten und Pocken zum Trash am Montag ins K.I.E.Z Kino zum „2nd annual Zombie-Spezial“ ein und haben sich dafür wieder in den Deggendorfer Atomschutzbunker zurückgezogen, um drei Wochen lang nur Aprikosen aus der Dose zu fressen, saures Wurstwasser zu saufen und den eigenen Urin zur Körperhygiene zu recyceln, und aus ungefähr hundertfünfzig Filmen zum Thema den Einen herauszufinden, der ihrer Anhängerschaft am 14. Mai die unumgängliche Notwendigkeit der guten Vorbereitung vor die schreckensgeweiteten Augen führen soll.
Während sie sich im Mai 2011 mit Lucio Fulcis großartigem „WOODOO - Die Schreckensinsel der Zombies“ noch romantisch verklärt der klassischen Sichtung des Genres widmeten, beschäftigen sie sich in diesem Jahr mit der wissenschaftlichen Herleitung. Es gibt dutzende von Filmen, die just darauf aufbauen, auf der Erkrankung, dem Virusinfekt, der Vergiftung, auf den Umwelteinflüssen also, die dann erst zur Zombifizierung führen können.
Die Frage nach der rechtmäßigen Zuordnung der "biologischen" Zombiefilme zum Genre ist in Fachkreisen nach wie vor hart umkämpft, dennoch sehen sowohl Rutten als auch Pocken hier, im (geringfügig) realistischeren Ansatz also, die Möglichkeit gegeben, das wieder gut zu machen, was Fulci im letzten Jahr nicht zu leisten vermocht hatte, nämlich Urängste zu schüren.
Mit ihrem „2nd annual Zombie-Spezial“ werben sie für die Resozialisierung des menschlichen Sympathicus, unserer Angstzentrale. Die hiesige Community kann froh sein, dass beide Cineasten einmal im Jahr die schwarzen Perlen des Genres vor die Säue werfen, auf dass die Saat endlich aufgehen möge, und auch der letzte Ignorant im Publikum endlich begriffen haben wird, dass die wahre Gefahr weder von Asteroiden noch der Wasserstoffbombe her droht, wenn die wirkliche Bombe inmitten unserer Städte, auf den Gottesackern, den Gräberfeldern und unter den Kirchhöfen tickt.
Tickets erhalten Sie an der Abendkasse im Kiez Kino
Vorbestellungen unter 0340 / 85 96 45 1
Pressestimme: Neues Format mit schlechten Filmen
Hauke Hoffmeister, Mitteldeutsche Zeitung, 21.10.2010
„Trash am Montag“ hatte mit zwei Filmkritikern Premiere im Kiez-Kino.
Es gibt Spielfilme, die braucht kein Mensch. Es sind Filme, die niemand ernst nimmt, so grottenschlecht sind sie. Weder will die Kameraführung stimmen, noch haben die Darsteller auch nur annähernd schauspielerisches Talent. Der Zuschauer, der bis zum Ende durchhält, kann sich glücklich schätzen. Und dennoch hörte man am Montagabend unisono im Kiez-Kino die Zuschauer sagen: Diesen Filmen mangelt es zwar an Professionalität, an teuren Effekten, dafür haben sie eine Seele.
Schon der Name des Genres verrät, worum es geht: Auf den Kleinbildstreifen befindet sich „Trash“, also Müll. Diese Trash-Filme finden die Schauspieler des Anhaltischen Theaters, Thorsten Köhler und Jan Kersjes, so gut, dass sie am Montagabend in die Rollen einflussreicher Filmkritiker schlüpften und vor mehr als 50 Schaulustigen im Kiez-Kino über Christoph Schlingensiefs „Das deutsche Kettensägemassaker“ schwadronierten. Zum Vergnügen der Zuschauer. Schönes Interpretationstheater um einen wirklich schlechten Film: Die Leute sehen amüsiert den beiden Kritikern zu, wie diese auf die Bühne krabbeln, um Dosenfrüchte und Sekt für ihre Bowle aufzulesen. Hören zu, wie sie sich einig sind, sich nicht einig zu sein, bis schließlich der Vorführungsraum dunkel wird Und das Kettenmassaker auf der Leinwand beginnt.
Der Trash aus dem Jahr 1990 zeigt, anlässlich der Wiedervereinigung, wie Trabant-Fahrer sich in einem Industriegebiet in Westdeutschland verirren und von ominösen Gestalten erst zermetzelt werden und anschließend in der Wurstfabrik enden. „Ein sehr politischer Spielfilm“, meint Kritiker Serge Pocken, alias Thorsten Köhler, anschließend nachdenklich dazu.
Dieser Trash-Film eröffnete die neue Vorführungs-Reihe im Programmkino Kiez. „So etwas gab es noch nie in unserem Kino“, freut sich Thomas Steinberg, der Veranstalter. Ausprobieren wollte er, wie neben dem Programmkino die speziellen Streifen beim Dessauer Publikum ankommen werden. Schon während der Vorbereitungen habe Steinberg gemerkt, dass so ein ganz eigenes Publikum gewonnen werden könne. Kein Stuhl im Kino-Raum blieb vorgestern leer. „Es kamen Zuschauer, die noch nie im Kiez-Kino waren“, stellt Steinberg zufrieden fest. „Spannend finde ich an den Filmen, dass die Macher überhaupt nicht die Absicht hatten, Trash zu produzieren“, sagt er. „Diese Leute haben enorm viel Eifer und Herzblut in ihre Projekte investiert - und häufig kam nur Komisches heraus.“
Damit zieht ein neues Film-Format ins Programmkino Kiez für die Herbstzeit ein, das erst einmal bis zum Dezember getestet werden soll. Immer am Montagabend, der mittig des Monats liegt, werden komische Filme gezeigt. Der nächste läuft am 15. November, der letzte Film der erst einmal dreiteiligen Serie folgt im Dezember. Ob die Reihe auch im nächsten Jahr fortgesetzt wird, vermag Thomas Steinberg noch nicht zu sagen. Ginge es nach den bei den Schauspielern Thorsten Köhler und Ian Kersjes würden diese Aufführungen zum etablierten Programm im Kiez dazugehören, so wie das Streitgespräch der Kritiker Serge Pocken und Pit Rutten.
Pressestimme: Bühne frei für die Kleinkunst
Thomas Schaarschmidt, Mitteldeutsche Zeitung, 19.11.2010
KIEZ „Trash am Montag" und „Poetry Slam" beleben Ruf des Kiez in der Dessauer Bertolt -Brecht -Straße wieder neu. Dichterwettstreit geht Samstag in die dritte Runde.
Der Hilferuf wurde über Facebook gesandt. „Bitte, bitte", stand auf der Profilseite des Kiez-Kinos in dem Internet-Netzwerk geschrieben, „beim nächsten Trash am Montag dürfen maximal 49 Leute kommen - der Programmmacher will auch mal mitschauen." Denn Thomas Steinberg musste am Montagabend draußen bleiben. Zu viele Interessenten hatte die zweite Auflage des Film- und Eventspektakels „Trash am Montag" angezogen. Erneut kommentierten die beiden "Kritiker" Pit Rutten und Serge Pocken mit Ed Woods "Plan 9 from Outer Space" einen Meilenstein des schlechten Filmgeschmacks und sorgten damit für ein ausverkauftes Haus. Und für Freude bei den Organisatoren. „Ich glaube, das Geheimnis ist, dass wir in dieser Reihe Filme zeigen, deren Spaß potenzial sich erst erschließt, wenn man sie gemeinsam schaut", mutmaßt Steinberg, den vor allem eine Tatsache begeistert. „Die Liste mit weiteren potenziellen Trash-Filmen ist unfassbar lang."
Nächster „Trash" am 13. Dezember
Und so dürfte auch bei der nächsten Auflage der Reihe am 13. Dezember - gezeigt wird dann Rosa von Praunheims „Die Bettwurst" - großer Andrang im Kiez herrschen. Das Haus ist in den vergangenen Wochen wieder mehr in den Blickwinkel der Kleinkunst geraten.
Denn neben der Kinoreihe ist es den Machern im Hause auch gelungen, nach vielen Jahren der Abstinenz den „Poetry Slam" wieder neu zu etablieren. Die ersten beiden Veranstaltungen im September und Oktober verblüfften Organisatoren wie Teilnehmer gleichermaßen. „Man muss lange suchen, um einen Ort zu finden, an dem sich ein Poetry Slam so schnell in dieser Qualität etabliert hat", gibt Moderator Tom Schildhauer zu.Und so fiel es dem früheren Dessauer auch nicht schwer, für die dritte Auflage an diesem Sonnabend (Beginn 21 Uhr) erneut ein erlesenes Feld von „Slammern" zusammenzustellen. Sechs Minuten haben die insgesamt acht Teilnehmer wieder Zeit, mit ihren Texten das Publikum zu begeistern.
Mit dabei sein wird auch Brian Borgwardt - der Sieger des September-Slams. Die Konkurrenz aber scheint übermächtig. Mit dem Detmolder Marc-Oliver Schuster präsentiert sich ein Dichter, der in der Szene längst nur noch „Katze“ genannt wird - in seiner bisherigen Karriere räumte er fast ausnahmslos mit Texten über dieses Tier Siege und Trophäen ab. Die Dortmunderin Laura Reichel moderiert in ihrer Heimat den „POTTery Slam“ und nahm in diesem Jahr an den deutschsprachigen Slam-Meisterschaften teil.Dessauer gesucht
Besonderes Augenmerk aber legt Tom Schildhauer auch bei der dritten Auflage auf regionale Künstler. „Mit Bernadelli ist ja bereits ein Dessauer dabei, aber wir hoffen natürlich, dass sich auch dieses Mal wieder der eine oder andere Einheimische findet, der sich spontan am Abend entscheidet, mitzumachen." Erlaubt ist alles, was aus der eigenen Feder stammt. Das kann witzig, lustig, aber auch traurig oder nachdenklich sein. Vielleicht sogar etwas „trashig".

