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Was ist denn heut` bei Anhalts los?

Im 800. Jahre Anhalts geht sie an den Start – die erste Theatersoap Dessaus!

Wir versprechen erhöhtes Suchtpotential, wie es sich für eine hochkarätige Seifenoper nicht anders gehört! Da dürfen die nötigen Soap-Zutaten nicht fehlen: Liebe und Betrug, Eifersucht und Rache, und das alles in einer Welt des schönen Scheins und des Glamours. Joan Collins lässt grüßen! Begegnen Sie schillernden Persönlichkeiten wie Zsa Zsa Gabor, der verblühten Märchenprinzessin, die trotz Bettlägerigkeit an ihrem Comeback schraubt, Prinz Frédéric von Anhalt, dem Self-Made-Adelsspross, der mit seinem Heer von adoptierten Halbweltsöhnen die Schicksalsstricke in der Hand behalten möchte, und nicht zuletzt Rossi Balboa, dem geheimnisvollen italienischen Busenwunder, die intrigenspinnend nicht nur eine Rechnung zu begleichen hat! Also rüsten Sie sich für den finalen Kampf der Titanen, die, verlebt zwar alle, im wogenden Meer ihrer persönlichen Leidenschaften die Klippen der Fremdinteressen mal mehr, mal weniger erfolgreich zu umschiffen versuchen! Schiffbruch inklusive! Hach!

Text und szenische Einrichtung: Thorsten Köhler
Dramaturgie: Sabeth Braun; Video: David Ortmann


Am Mittwoch, 18. April um 20 Uhr geht die zweite Folge der Dessauer Theatersoap, inszeniert von Thorsten Köhler, im Foyer des Alten Theaters an den Start. Was bisher geschah: Prinz Frederic von Anhalts verzweifelter Versuch, die marode Haushaltssituation derer zu Anhalts durch Steuerpfründe in den ebenfalls bankrotten anhaltischen Provinzen zu sanieren, wird je unterbrochen, als ihn die Hiobsbotschaft vom sich rapide verschlechternden Gesundheitszustand seiner Frau ereilt. Zsazsa Gabor, Fürstin der Herzen und ehemaliges Filmstarlet, harrt derweil mit eisernem Willen, und in Erinnerungen an ihre Bilderbuchkarriere schwelgend, der Rückkehr ihres Liebsten, des Prinzen von Bel Air, bedroht nicht nur durch schwere Krankheit und Bettlägerigkeit, sondern auch durch Intrigen und den christlichen Fundamentalismus ihrer verkappt lesbischen Zugehfrau, der undurchsichtigen Mademoiselle Haller, die, verbittert über vergangenes Unrecht, im Geheimen an der Fertigstellung einer Düngemittelbombe aus Haushaltschemikalien arbeitet. Schier verrückt vor Sorge schwört der Prinz Zsazsa ewige Liebe, hält aber die prekäre finanzielle Situation weiterhin vor ihr verborgen, aus Sorge, seine Frau damit nur noch dichter an den Abgrund des Todes zu bringen. Eine letzte verheißungsvolle Möglichkeit, doch noch Geld in die leeren Kassen zu spülen, sieht der Prinz im Comeback seiner Frau zurück auf die große Leinwand, ein Vorschlag, der von Zsazsa begeistert aufgenommen, von Mademoiselle Haller jedoch mit Skepsis betrachtet wird. Die Freude über die vermeintliche Lösung aller Geldprobleme währt jedoch nicht lange. Rossi Balboa, ehemalige Geliebte des Prinzen und von Frederic während einer Schönheitsoperation verlassen, zu der er sie überredet hatte, verlangt zehn Millionen, andernfalls, droht sie, werden delikate Informationen über die verbrecherische Vergangenheit Frederics publik gemacht. Damit nicht genug fordert Edvard, wahrer Prinz von Anhalt, die Rückgabe seines Adelstitels. Prinz Frederic sieht sich zu drastischen Maßnahmen gezwungen. Auch die zweite Folge verspricht dem Publikum erhöhtes Suchtpotential, wie es sich für eine hochkarätige Seifenoper nicht anders gehört!


Ab Episode 1:
ZsaZsa Gabor, Fürstin: Jan Kersjes
Prinz Frédéric von Anhalt: Stephan Korves
Mademoiselle Haller, Zugehfrau: Eva Marianne Berger
Rossi Balboa, italienisches Busenwunder: Anne Lebinsky
Edvard, the Düngemittel-Lieferant formerly known as Prinz (von Anhalt): Thomas Picek

Ab Episode 2:
Maximilian Michael, Oliver Leopold, Alexander Markus Maximilian, Prinzen von Anhalt: Patrick Rupar
Marcus, Prinz von Anhalt: Sebastian Müller-Stahl
Nadja Anna Tina-Lisa Prinzessin von Anhalt (Lohfink): Katja Sieder

Ab Episode 3 ff.:
Casper Thronesome III., Studioboss: Gerald Fiedler
Estrith Lieberman, Künstleragentin: Imme Heiligendorff
Gracia Patricia, Geist Grace Kellys: N.N. Scriptboy: Tizian Steffen
George Clooney: N.N.

Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 20.04.2012

Blaues Blut mit morbidem Slip

SEIFENOPER, TEIL 2: Adoptiv-Anhaltiner erschießt sich im Alten Theater.

Auch dieses angegangene Stück unterster Wäsche wird fallen. Was dann zum adligen Vorschein kommt, sieht nur, wer mittig sitzt. Jedenfalls wird Prinz Edvard in Nähe der - Pardon, die Wahrheit - Klöten verkabelt, zum Zwecke der Tötung. Das geht schief, und vor allem an die Schmerzgrenze, wirklich. Und die Wirklichkeit? Nun, die von Anhalt vermieten Stretch-Limousinen, Hummer H2 und andere Gefährtinnen, vor allem Frauen, so der Flug zum Titel nicht über die Big-Brother-Box oder voluminöse Vorbauten führte.

Wir feiern Anhalt und die Adoptiv-Hoheiten feiern mit, im Alten Theater. "Was ist denn heut' bei Anhalts los?" Keine Ahnung. So viel vielleicht: "Die Seifenoper" von Thorsten Köhler ging am Mittwoch in die zweite Folge. Von Nachrichtenwert dürfte ferner sein, dass Prinz Frederic von Anhalt einer Einladung keine Folge leistete, und nun doch (Stephan Korves) am Schreibtisch sitzt. Wir erinnern uns, Frederic hieß Hans-Robert Lichtenberg bevor er sich von Marie Auguste Prinzessin von Anhalt adoptierten ließ. Sie war verarmt und 81 Jahre alt. Der Adoptiv-Prinz heiratete Zsa Zsa Gabor, die am Tage ihrer achten Trauung auch schon leicht betagt war. Die Diva sitzt im Rollstuhl, seit ihr Friseur auf dem Sunset Boulevard einen Laternenmast rammte oder liegt eiternd im Bett und geht die "christlich fundamentalistische, verkappt lesbische" Zugehfrau (Eva Marianne Berger) an. Auch plant sie, weil verarmt, ein Comeback.

Folge zwei liefert den Auftritt einiger Adoptivsöhne des Adoptivsohnes. Patrick Rupar gibt Zähne wechselnd Maximilian Michael, Oliver Leopold und Alexander Markus Maximilian, gleich drei der Prinzen und verkabelt als Early, vermutlich, den wahren Prinzen. - Ja, Early, gespielt von Brad Pitt im mordreichen Roadmovie „Kalifornia". Köhler mag Filme und zitiert. Jedenfalls klingt Adoptivtochter Nadja Anna Gina-Lisa Prinzessin von Anhalt, Herzogin zu Sachsen und Westfalen, Gräfin von Askanien, früher Lohfink, wie des Serienmörders begrenzte Freundin Adele, schön geistig reduziert von Katja Sieder. Alles ohne Gewähr! Die Anhalts geben ihrem Affen Zucker.

Vor allem geht es - Pardon, aber es wäre wenig entsprechend, Euphemismen zu bemühen - um Blut und Pisse und um gellende Genugtuung. Ein Selfmademan erschaffe sich immerhin selber, während der Adel seine Größe der Gegebenheit verdanke, aus einer bestimmten - kein Pardon mehr - "Muschi" gekrabbelt zu sein. Beinah einhundert Jahre nach der Abdankung brauchen wir das. Aber auch abgedankte Adelstitel stehen gut im Kurs, als Lack für Hummer H2-Vehikel und Hollywood-Ambitionen. "Voll krass, eh." Ja, Frau Lohfink. Immerhin blutet sie richtig aus dem - Bauch und Prinz Early wird selber vom Schlag getroffen, auch sind alle falschen Prinzen tot. Nur der echte kann fliehen, das Baumwollene am Knöchel. Das ist dick, beinah wie die Wirklichkeit, und so sadistisch. Keine Sorge, es gibt noch genügend Anhalts für zwei Folgen. Frederic korrespondiert schon, während die Zugehfrau frigide mit den Testamenten droht, dem Alten und dem Neuen. Ihre Bombe tickt. Vielleicht küsst sie am Ende das Ding und hält "Germany's Next Topmodel" in der Hand. Die Prinzen sind tot, es lebe die Zugehfrau? Ach Bitte; und ein Glas Milch für die Diva, Jan Kersjes kann nicht schlafen.

Pressestimme: Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 16.03.2012

«Falscher» Prinz regt sich auf

Jetzt können alle zufrieden sein: Das Anhaltische Theater bekommt für sein neues Format eine größtmögliche Aufmerksamkeit und der adoptierte Prinz ist da, wo er immer gerne ist, in den Medien.
Die neue Theater-Soap "Was ist denn heut' bei Anhalts los" - Premiere war am Sonntagabend im ausverkauften Alten Theater - sorgt für Schlagzeilen, vor allem in einer großen Boulevardzeitung. Die kündigte die nicht ganz ernst gemeinte Seifenoper zum Jubiläumsjahr Anhalt 800 nicht nur großflächig an, sondern holte sich auch die Meinung eines der Protagonisten ein, dem in der ersten und den folgenden Episoden eine große Rolle zugedacht ist: Prinz Frédéric von Anhalt. Der zeigte sich wiederum nicht amüsiert von der Ehre, die man ihm hierzulande erweist.

Was regt den Prinzen aus Hollywood also auf? "Was ist denn heut' bei Anhalts los" hat alle Zutaten, die eine gute Seifenoper braucht, ein adliges Paar, skurriles Personal und natürlich in der Realität einen Ideengeber, der mit seinen Aktionen und Skandalen das beste Material liefert, um auf theatraler Ebene den Stoff weiter zu spinnen und satirisch zu betrachten.

Das tat und tut der Schauspieler Thorsten Köhler als Autor und Regisseur der neuen Reihe und durchaus auch als Anhalt-Kenner, wurde er doch erst vor wenigen Tagen zum "Anhalter des Jahres" vom Magazin "Leo" gewählt. Dass Köhlers frei erfundene Geschichte um den Prinzen und seine Ehefrau Zsa Zsa Gabor den Nerv des Publikums trifft, bewies am Premierenabend tosender Applaus für den Auftakt der Soap.

Der vermeintliche Skandal, der nun folgt, amüsiert die Theatermitarbeiter fast ausnahmslos. "Frédéric von Anhalt ist immer froh, wenn er die Möglichkeit hat, sich öffentlich zu präsentieren, und wir haben ihm die Chance dafür gegeben", sagte Generalintendant André Bücker, der seinen ersten Probentag für Richard Wagners "Götterdämmerung" am Mittwoch für Interviews zur "Prinzendämmerung" unterbrechen musste. Für Bücker ist klar: "Der Mann ist eine Person des öffentlichen Lebens und hat alles dafür getan, eine Medienfigur zu werden. Er muss deshalb auch die Satire zu seiner Person aushalten. Eigentlich sollte er das wissen." Sollte Frédéric von Anhalt tatsächlich rechtliche Schritte einleiten wollen, so sieht man diesen im Theater gelassen entgegen. "Ich hätte gerne mal Post aus Hollywood", lacht Bücker und stärkt seinem Schauspielensemble den Rücken.

Das wird sich im April wieder in die schöne Welt von Schein und Sein begeben, dann mit neuen Figuren an der Seite von Zsa Zsa und deren achtem Ehemann: Es stellen sich vor die vielen Maximiliane, die der Adoptivprinz selbst adoptierte und eine Blondine mit dem Rollentitel Nadja Anna Gina-Lisa Prinzessin von Anhalt. Damit sich der adoptierte Prinz selbst ein Bild von der Theater-Soap machen kann, steht im Theater nichts dagegen, ihm Freikarten zu reservieren, wenn er dies wünscht. "Aber nur die Karten, die Reisekosten übernehmen wir nicht", meinte der Generalintendant.

So wird man wohl am 18. April ohne den klagewütigen Adligen aus Los Angeles sehen, wie es bei den Anhalts weitergeht. Dass da weit mehr los ist als früher bei den Findigs vom Rundfunk, ist anzunehmen.

Pressestimme: Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 13.3.2012

Sie greisen schon und glitzern noch

Die Theatersoap „Was ist denn heut’ bei Anhalt los“ feiert die erste Runde.
Nun sollte Anhalt wieder ein Fürstentum werden, ein kleines großherzogliches voller Saunen-Wohlfahrt, Charity-Golfturnieren und Benefiz-Boulevardzeitungen.
Schließlich hat das Jubiläumsland Toleranz gelernt, von oben, und braucht alle, Haupt- und Nebenlinien, auch Querstriche, die eiternd bettlägerigen.
„Was ist denn heut’ bei Anhalt los“, fragte „die erste Theatersoap Dessaus“, eine Seifenoper von Thorsten Köhler, die sich gnadenlos in die Realität verwickelt, eine Endlosserie in vorerst vier Episoden mit echtem Klippenhänger am unversiegbaren Ende. Dabei war schon der Auftakt im Foyer des Alten, des Herzoglichen Hoftheaters am Sonntag ausverkauft. Die Frage, die sich von Anbeginn stellte: Kann eine Seifenoper diese Realität toppen? Nein. Deshalb vielleicht, dreht Köhler ein wenig an der virulenten Wirklichkeit und spielt immerzu mit Filmpartikeln.
Schon der Vorspann benutzt die herzogliche Ikonographie, als sollten Ansprüche geltend gemacht werden, die früher geradewegs ins Schlachtfeld geführt hätten. Schutz gegen solches und ähnliches vermittelt die Internetseite derer von Anhalt, die wahrhaft im Stamm des Baumes wurzeln. Sie führt einen Hinweis auf das laxe deutsche Adoptivrecht, das praktisch bedingungslos Erwachsenenadoptionen ermögliche. Ein Hauptgrund zur Distanz mag Prinz Frédéric von Anhalt sein, der Nacktmodell Kader Loth ins Badewasser uriniert haben soll. Nun, das gehört nicht auf die Bühne, sondern irgendwie zum Reality-TV.
Marie Auguste Prinzessin von Anhalt, Tochter von Eduard Herzog von Anhalt, in erster Ehe Schwiegertochter Kaiser Wilhelms II., adoptierte verarmt und 81-jährig den Bankkaufmann und Saunaclub- Betreiber Hans-Robert Lichtenberg.
Für seinen Adelsstand zahlte er ihr eine recht bescheidene monatliche Leibrente. Sein größter Triumph war 1986 die Heirat mit Zsa Zsa Gábor, Jahrgang 1917.
Machen wir es kurz: Gábor war mehrfache A-Ehefrau, B-Diva und ist nun Prinzessin mit einem Bein nach mehreren Schlaganfällen.
Schon 2002 saß sie im Rollstuhl, nachdem ihr Friseur auf dem Sunset Boulevard in Los Angeles einen Laternenmast rammte. Das gehört so ungefähr zur Wahrheit.
Nun liegt Gábor auf der Bühne im Bett mit vergilbtem Film-noir- Gesicht, unter dem Jan Kersjes fürstlich eitert, ein Kassengestell, das Bett, die Brille und die Diva.
Prinz Frédéric (Stephan Korves) trägt Augenbrauen, die großväterlich buschig eher den verarmten Adel als den geldgeilen bekennenden Emporkömmling wärmen. Und wie bescheiden er ins Pickellicht rutscht! Entgegen derWirklichkeit, in welcher der Prinz den ehelichen Rollstuhl gelangweilt aber finanziell effizient schiebt, sind die gekauften Bühnen-Anhaltiner verarmt und planen deshalb ein Comeback der Gábor, vielleicht in einem Piratenfilm mit Holzbein.
Da erscheint im roten Nebel Rossi Balboa, ein italienisches Busenwunder (Anne Lebinsky) und bringt das zweite ihrer beiden Wunder zur Anklage. Der Prinz hatte sie verlassen, nur eine Hälfte des Entzückens finanzierend. Die Gábor darf davon natürlich nichts wissen und die Zugehfrau, Mademoiselle Haller (Eva Marianne Berger oder, wer weiß, doch Sky du Mont), hadert gar mit ihrer christlichen Motivation, dem Eiter und dem Skript. Die Lesbenszene mit der Gábor spielt sie nicht. Und was ist mit der Bombe und den tiefen Reflexionen und warum versenkt sich immer wieder die Stimme des Busenwunders? Klar doch, das sind sämtlich verzopfte Handlungsstränge, welche die Serie weiter treiben, wie der Klippenhänger Eduard (Thomas Picek), der das Düngemittel liefert und gestenreich kein Geld verlangt. Der echte falsche Prinz hat schließlich auch zahlreiche zahlende Adoptivsöhne: Stoff für später.
Es ist gemein, die alte Dame derart eitern zu lassen. Aber der Prinz winkt so landesväterlich lieb. Alles drin, falsche Brüste, falsche Prinzen und vielleicht boxt das Busenwunder noch wie Rocky Balboa.
Aber schon sind wir wieder in der Realität: Kersjes spielt Diva und Lichtenberg Prinz. Oder, ach.